Die vierte Gewalt macht ihre Arbeit nicht

Werden Journalisten eigentlich wirklich so schlecht bezahlt, wie es immer heißt? Ich erinnere mich, dass es in meiner Jugend in den Neunzigern auch schon ein Schreckgespenst war, für eine Zeitung zu arbeiten und mit einem Pfennig-Betrag für jede geschriebene Zeile abgespeist zu werden. Abgesehen davon, dass man an dieser Form der Bezahlung merkt, dass es scheinbar nur sekundär um den Inhalt geht und in erster Linie, dass das Geschriebene in das Raster passt, stellt sich mir gerade die Frage, ob Journalisten immer mehr vergessen, was ihr Werk verbessern würde: das in Zusammenhang stellen von Vorkommnissen in den großen Zusamenhang. Das Anfüttern von Informationen mit Hintergrundwissen.

Ich habe gerade auf Spiegel Online folgenden Artikel gelesen: Mehr als 450 Haftbefehle gegen rechte Straftäter nicht vollstreckt
Und bin jetzt bis auf die Information, dass es in den letzten Jahren immer mehr rechte Straftäter gibt, keinen Deut schlauer als vorher. Und mit dem Fakt, dass soundsoviele Haftbefehle nicht vollstreckt werden bringt mir gar nichts, weil ich gar nicht weiss, ob das jetzt wirklich so viel ist und wie die Zahl im Vergleich zum Beispiel mit linksextremen Straftaten steht. Oder anderen Straftaten in vergleichbaren Sektoren. 

Der Redakteur hat im letzten Abschnitt versucht, den Artikel noch mit Daten aus der Kriminalstatistik aufzuwerten, aber hat vergessen, die eigentliche Info mit einzubeziehen. Und das fällt mir immer mehr auf. Dass eine Pressemeldung aus dem Ticker vielleicht ein bisschen umgeschrieben wird, aber so schnell wie möglich auf das Onlineportal gestellt werden muss. Weil alle das so machen.

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