Meinungstoleranz

Fünfmal habe ich diesen Text jetzt schon angefangen. Ich komme immer wieder an den Punkt, an dem ich ausfallend werde und dann lieber wieder von vorne anfange. Weil ich es einfach nicht mehr verstehe. Es mag nicht in meinen Kopf, warum unsere Gesellschaft in den letzten Jahren so eine enorme Radikalisierung erfahren hat. In jeglicher Thematik. Rechte Spinner, Verschwörungstheoriefanatiker, Lifestyle-Faschisten und so weiter und so fort. Jeder vertritt vehement seine Meinung und lässt sich gar nicht auf sein Gegenüber ein. Was ja eigentlich in einer Demokratie gut ist. Dass man seine Meinung äußern kann, Gleichgesinnte findet und mit ihnen unsere Gesellschaft eventuell beeinflussen und weiterentwickeln kann.

Leider hat aber das Internet irgendwie dazu beigetragen, dass viele glauben, anderen ihre Meinung aufzwingen zu können. Sogar zu müssen. Weil man ja selber auf dem richtigen Weg ist und den Rest der Gesellschaft dazu bekehren muss, genau diesen Weg einzuschlagen. Sonst geht die Welt unter. Vielleicht. Aufgrund der Medienpräsenz um die aktuelle Flüchtlingswelle sieht man sogar, dass es einige gar nicht mehr stört, ihre Meinung in Kameras zu brüllen. Auch wenn diese Meinung gegen unser Grundgesetz verstößt.

Vielleicht kommt es mir auch nur so vor. So wie ich es verstärkt beobachte, dass keiner mehr sich was sagen lässt und sich noch nicht einmal mit den Argumenten der Gegenseite befasst. Vielleicht hat das was mit den Talk-Shows der Privatsender Anfang der Neunziger zu tun, in denen sich herauskristallisiert hat, dass man auf Gegenargumente am Besten mit „Guck dich doch mal selber an. Bist selber hässlich!“ antworten sollte.
Geht das nur mir so?

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