Nächstes Level im Spießertum erreicht

Spießer

Es ist wahrscheinlich recht normal, dass das Leben nach dem Teenageralter und dem damit verbundenen Auflehnen gegen die Eltern und die Gesellschaft im Allgemeinen recht schnell spießig wird, wenn man merkt, dass man sich doch einigermaßen fügen muss, um klarzukommen. Ich habe jetzt das nächste Spießer-Level erreicht: ein eigenes Haus.

Nachdem die bisherige Wohnung zu eng und klein wurde, mit den Kindern klar wurde, dass ein Garten ein recht großes Muss ist, damit diese auch mal an die frische Luft können (und es im Haus damit ruhiger wird), haben wir schon vor Jahren den Plan gefasst, ein eigenes Haus in Angriff zu nehmen. Das ist hier in Nordhessen aber gar nicht so einfach, besonders haben in den letzten Jahren die Preise für Immobilien so stark angezogen, dass selbst für Häuser aus den 60ern, in die man dann noch 100000 Euro reinstecken muss, um irgendwie so halbwegs eine angenehme Wohnatmosphäre zu schaffen, Mondpreise verlangt und sogar bezahlt werden.

Selber zu bauen war die erste Option, die uns aber schnell genommen wurde. Es gibt hier und auch in den nächsten Jahren kein Bauland für Einfamilienhäuser. Wegziehen war keine große Option, die Kinder sind gerade in Schule und Kindergarten angekommen gewesen, großartig andere Alternativen rings um Kassel herum gibt es keine, die auch über eine entsprechende Anbindung an den Nahverkehr besitzen.

Dann haben wir drei Jahre lang mal mehr und mal weniger gesucht. Und durch Zufall haben wir vor etwas über einem Jahr erfahren, dass ein Haus verkauft werden soll, dass wir vom Vorbeifahren kannten. Den Verkäufer kontaktiert, den wir damit etwas überrumpelten, da er erst den Gedanken gefasst hatte, das Objekt bald zu veräußern. Termin ausgemacht, hingefahren und schon nach dem Eintreten ins Haus (wir standen gerade mal im Eingangsbereich zur Treppe) haben wir uns angeschaut und wussten beide, dass das unser Haus werden muss.

Es war dann recht schnell klar, dass wir das Haus auch bekommen werden. Termine bei der Bank unseres Vertrauens, Kreditrahmen und Möglichkeiten abgecheckt, tausend Formulare ausgefüllt, dies und das geklärt, den Unsinn von Notaren bis heute nicht so ganz verstanden hatten wir nach einem zähen dreiviertel Jahr (okay, die Vormieter durften auch so lange darin bleiben, weil sie sich erstmal ein neues Zuhause suchen mussten) endlich die Schlüssel in der Hand.

Nach einem halben Jahr gemütlichen Renovierens (wir hatten uns echt keinen Stress damit gemacht) sind wir letztes Wochenende umgezogen. Und es fühlt sich verdammt gut an, Spießer zu sein.

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