Nutella tötet

Ich find ja reißerische Überschriften, die mit dem Resümee eines Artikels wenig zu tun haben, sollten verboten werden. Das war eigentlich das Einzige, was ich heute morgen beim Lesen des Artikels in der Online-Ausgabe des Münchner Merkur an Wissenswertem mitgenommen habe.

In dem Artikel ging es laut Überschrift darum, dass das ZDF angeblich aufgedeckt haben soll, wie gefährlich Nutella sein soll. Im Anreißer wurde dann noch einmal gesagt, dass die „Schokocreme großen Schaden im menschlichen Körper anrichten“ kann. Im Artikel selber wird dann die Zusammensetzung von Nutella analysiert und man kommt neben dem hohen Anteil von Zucker auf Palmöl zu sprechen, dass als billiges Fett verwendet wird. Das man Palmöl nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus gesundheitlicher Sicht, verwenden sollte, ist aber gar nichts Neues, sondern wird seit Jahren kommuniziert und sogar schon im Jahr 2009 vom Bundesinstitut für Risikobewertung in einer FAQ veröffentlicht.

Ich frage mich ja an der Stelle, warum der Redakteur nicht in der Lage war, auf die Sendung zu verlinken (sprich eine Quelle anzugeben) und den Artikel mit zehn Minuten Recherche auf die schon seit Jahren bekannten wissenschaftlichen Ergebnisse anzureichern?

Das verwendete Palmöl in Nutella spaltet sich also im Verdauungstrakt unter anderem zu Glycidol auf, das karzinogen ist. So weit, so schlecht. Denn Palmöl ist mit  Drittel des weltweiten Verbrauchs an Pflanzenölen das meist verwendeste. Es gibt aber auch Alternativen für fast alle Produkte, die Palmöl verwenden. Ob die jetzt im Fall von Nutella schmecken, kann ich nicht sagen. Ich bin seit meiner Kindheit auf diesen Geschmack geeicht und ich finde jegliche andere Schokocreme einfach nur ekelhaft.

Und natürlich könnte ich jetzt auch meine Krebserkrankung auf Palmöle in der Nahrung schieben. Es weiß aber keiner, was jetzt ein paar Zellen veranlasst hat, verrückt zu spielen und eine Invasion in meinem Körper auszulösen. Sich darüber im Nachhinein verrückt zu machen, lohnt nicht. Ich habe durch die Krankheit und vor allem die Chemotherapie eins gelernt: unser Leben ist zu kurz, um sich über alles Sorgen zu machen und sich über jeden Scheiss aufzuregen. Viel zu kurz.

Zur Zeit liegt der Freund einer Freundin in den USA im Krankenhaus und ringt mit dem Tod. Er wurde von einem Motorradfahrer an einer Ampel umgenietet, als er diese Abends mit einer Kollegin überquert hat. Sie ist noch an der Unfallstelle gestorben und sein Körper ist so kaputt, dass bis jetzt kein Arzt eine Prognose geben kann, ob er es schafft. Der Unfall war vor drei Wochen. Der Fahrer ist auch schwer verletzt, wird es aber schaffen. Auf ihn wartet aber schon der Sheriff und wahrscheinlich eine jahrelange Gefängnisstrafe. Nur weil er sich entweder aus Zeitmangel oder einfach aus Leichtsinn an den wartenden Autos vorbeigeschlängelt, im letzten Moment zu viel Gas gegeben und nicht aufgepasst hat. Drei Leben zerstört.

Worauf ich hinaus möchte: klar macht es Sinn, aufzupassen und Risiken zu minimieren. Aber man kann nicht alles wissen. Und ahnen. Und sollte sein Leben lieber genießen, als sich dauernd Sorgen zu machen. Das kann nämlich auch Krankheiten und sogar Krebs auslösen. Nachgewiesenermaßen.

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