Rockstar und Astronaut

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Zwei Dinge gibt es, die ich mir vor schon ganz schön langer Zeit vorgenommen habe. Mit acht oder neun Jahren hatte ich die Plattensammlung meiner Eltern entdeckt, die voller Scheiben von Deep Purple, Black Sabbath, Pink Floyd und ähnlicher Bands waren. Allein geprägt durch die gemeinsamen Autofahrten und den Genuss eines HiFi-Systems im 325er-BMW (alpinaweiß, wurde leider auf der Rückfahrt eines Skiurlaubs mit der kompletten Familie per Überschlag an einen Baum gesetzt. Alle unbeschadet rausgekommen) entdeckte ich schon früh den Sound von E-Gitarren. Und war verloren.

Meine ersten eigenen zaghaften Versuche, in diese Musik abzutauchen, versuchte ich mit Queen, Bon Jovi und den Scorpions. Man lernt ja aus Fehlern. Für mich damals schon das Größte überhaupt, wurde ich dann eines besseren gelehrt, als ich Nirvana entdeckte und mit zarten 13 Jahren entbrannte in mir der Wunsch, Rockstar zu werden. Oder wenigstens E-Gitarre zu lernen. Aber irgendwie wurde nie was draus und die Versuche, den Gitarren meiner Freunde wohlklingende Töne zu entlocken, scheiterten kläglich, weil ich es irgendwie nie gebacken bekam, meinen Fingern mitzuteilen, wie man die entsprechenden Akkorde richtig greift. Und so war ich zwar der größte Kämpfer im Moshpit und im Geheimen der Luftgitarrengott, aber zu mehr hat es nie gereicht.

Bis ich Anfang des Jahres den Entschluss fasste, jetzt schon fast in der Nähe des Rentenalters angekommen, doch noch mittels sechs Seiten und einem lauten Verstärker meinen Nachbarn auf den Sack zu gehen. Nach einem anderthalbstündigen Besuch eines Musikzubehörladens meines eigentlich noch gar nicht vorhandenen Vertrauens und der Erkenntnis, dass ich wahrscheinlich nie so gut werde, wie der nette Mitarbeiter, der mir sieben oder acht Gitarren und deren Vor- und Nachteile vorführte, ging ich mit einer Gitarre, Kabel und ner Menge Plektren nach Hause. Den Verstärker besorgte ich mir am nächsten Tag bei einem Freund, der noch einen 30 Watt-Röhrenverstärker bei sich im Keller stehen hatte.

Jetzt nach den ersten Wochen viel zu wenigen Lernens, haben meine Programmiererfingerkuppen mittlerweile eine nicht zu verachtende Hornhaut bekommen und ich frage mich, wie man früher ohne Internet an Tabulatoren herangekommen ist? Hat man sich Musikvideos auf MTV und Viva auf Video aufgenommen und mittels Einzelbildfortschaltung den Kram beigebracht? Das mache ich ja manchmal, wenn ich Tabs nicht verstehe. Schnell auf YouTube versucht, das Video ohne Sperre zu erwischen, um nachzuschauen, wie das Ganze denn in der Praxis so gemeint ist.

Etwas ist aber leider total blöd an der Verwirklichung meines einen Traumes: mein Musiklehrer hat mir schon in der ersten Stunde diese ganze Rockstar-Slash-Gitarrengott-Nummer entzaubert, in dem er auf Zuruf so gut wie jeden Song anspielen konnte. Der ganze Musikkram basiert halt wirklich nur auf (fast) drei Akkorden/Powerchords. Was aber wieder ganz nett ist, weil die Lernkurve dadurch ziemlich steil ist und ich mittlerweile den einen oder anderen Grunge-Song spielen kann. An Punk sollte man sich übrigens nicht gleich wagen. Zwar besteht dort wirklich jeder Song nur aus zwei bis drei Akkorden. Die werden aber meistens in Achteln und mit ständigen Wechseln gespielt. Unspielbar für mich jedenfalls.

Achso, die zweite Sache, die ich mir als kleiner Junge vorgenommen hatte. Astronaut. Schaun mer mal.

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