Sammelkarten-Vorhölle

„Sammeln Sie Paybackpunkte?“ – „Nein.“ – „Möchten Sie Treuepunkte?“ – „Nein.“ – „Kassenzettel?“ „Nein.“ – „Sticker?“ – „Nein.“ – „Aber Papa!“

Das Schlimme am Einkaufen mit Kindern ist mittlerweile nicht nur das Süssigkeiten-Regal kurz vor der Kasse, sondern dass mittlerweile jeder Konzern mit seinen eigenen Sammelklebekarten versucht, meine Kinder zu ködern. Klar leben wir in einer von Marketing geprägten Konsumwelt und auf der einen Seite ist es auch toll, dass wir in unserer privilegierten Welt uns mehr kaufen können als sinnvoll ist. Aber diese Klebekarten haben ein Ausmass angenommen, dass es mich einfach nur noch nervt. Nach dem dritten WWF-Buch über bedrohte Tierarten flogen mehrere hundert doppelte Sticker in den Kinderzimmern herum und die Bücher, in die die Klebekarten geklebt wurden, wurden auch nicht mehr beachtet. Es gab ja schon die nächste Aktion mit anderen Karten.

Es war also an der Zeit, diesen Karten den Kampf anzusagen. Einfach in den Müll schmeissen geht nicht, weil ich ziemlich empfänglich für Kindertränen bin. Blieb also nur der Ausweg für Ersatz zu sorgen. Und zwar in Form von Pokémon. Zuvor hatte ich eigentlich kaum Kontakt mit Sammelkartenspielen. Ich, der ich in meiner Jugend Pen&Paper-Rollenspiele, angefangen von DSA, AD&D, Shadowrun bis hin zu Mers/Rolemaster, gespielt habe, kam nie so recht an die Materie ran. Zwar habe ich auch das bekannteste Spiel Magic: The Gathering auf dem iPad ausprobiert und auch Hearthstone ein paar Tage lang gespielt, aber mehr Erfahrungen habe ich auch nicht gesammelt.

Und nun wollte ich meinem Größten Pokémon beibringen. Schon einmal vorweg: die den Grundpaketen beigelegten Spielregeln sind für den Hintern. Auf der Pokémon-Website gibt es dafür aber ein umfangreicheres Handbuch, das einige Dinge besser und detaillierter erklärt. Außerdem kann man sich das dort auch eine Art Online-Spiel herunterladen, was ich auch getan habe. Aber mehr als das Anfangstutorial habe ich mir nicht angetan.

Nach dem Kauf von zwei Grundpaketen spielten wir erstmal ein paar Runden offen (jeder hat die Handkarten des anderen einsehen können), um die Grundmechanik zu verstehen. Angefangen mit Basis-Pokemons in der Bank, die man aufleveln kann (Phase 1, Phase 2), Energiekarten, sowie Trainer- und Itemkarten waren schnell verstanden und die ersten Kämpfen kamen einem auch recht ausgeglichen vor. Nun nach einigen Spielen, in denen man versucht, die Hintergründe des Spiels zu verstehen und Taktiken zu entwickeln, schleicht sich bei mir große Ernüchterung ein (beim Sohnemann natürlich nicht): ich scheine nicht zu verstehen, wie man sein Deck taktisch aufbauen beziehungsweise verwenden kann. Der Deckstapel besteht am Anfang aus 60 Karten (okay, eigentlich nur 47, weil sich 13 Karten auf dem Siegstapel und auf der Hand befinden). Trotzdem hängt es nur vom Zufall ab, wer von den beiden Parteien Sieger wird. Wer es nämlich schafft, als erstes ein aktives Phase-2-Pokemon im Spiel zu haben. Das ist nämlich eigentlich unbesiegbar oder man braucht viel zu viel Zeit ein entsprechendes eigenes Pokemon aufzuleveln, um es zumindest ebenbürtig in den Kampf zu werfen.

Aber vielleicht hängt das ganze mit dem Konzept des Sammelkartenspiels zusammen und braucht tausende von Boosterpacks, um sein Deck individuell und mit unterschiedlichen Pokemon-Arten zu bestücken. Das ist beim Verwenden von nur zwei Basispacks natürlich nicht gegeben. Vorschläge anyone?

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