Unfuckingtrackbar

Gerade eben hat der Twitter-Account von netzpolitik den Tweet des AkkuratenWiderstands retweetet, der auf eine Aktion namens FakeDataDay hinweist. Diese Aktion soll dienen, „falsche“ Spuren im Netz zu legen. Man soll fehlerhafte Informationen in seinen sozialen Netzwerken posten, um die Auswertungsalgorithmen durcheinanderzubringen und sich dadurch „unschärfer“ machen. Natürlich am Besten mit einem vom Initiator gewählten Hashtag und am Liebsten noch mit einem Link zur Aktion.

Vielleicht mag die Intention wirklich sein, die unbedarfte und noch nicht aufgeklärte Masse aufzuwecken und der Problematik des Umgangs mit den eigenen Daten und dem Thema Datensparsamkeit näher zu bringen. Nur erschliesst sich mir das Ganze einfach nicht und ich halte die ganze Aktion für Linkbait bzw. Erhaschen von Aufmerksamkeit. Wenn ich selber die Intention habe, andere Leute über eine Problematik (und die streite ich gar nicht ab) aufzuklären, dann sollte ich doch nicht die gleichen Systematiken benutzen, die ich anprangere, oder sehe ich das falsch? Angefangen von der Umsetzung des Blogs (WordPress, Akismet, Einbindung von Google-Webfonts, Mailchimp als Newslettersystem) bis hin zu dem recht komischen Daten-Ausspäh-Beispiels der Mitinitiatorin, in dem sie die Befürchtung hat, dass die Mitbewerber ihre Unternehmenskommunikation ausspähen könnte, kann ich die Idee hinter der Aktion zwar nachvollziehen, die Umsetzung halte ich aber für hundsmiserabel.

Ich finde es auch bedenklich, was man mit persönlichen Daten anstellen kann. Und ich finde auch, dass der 0815-Benutzer des Internets eine gehörige Portion Aufklärung nötig hat, um nur in Ansätzen zu verstehen, dass sein Verhalten Folgen haben kann. Aber auf der anderen Seite kann ich auch verstehen, dass der normale Benutzer von sozialen Netzwerken gar keine Lust hat, sich damit zu beschäftigen. Er sieht nur den Nutzen, den er aus der Funktionalität ziehen kann und verfällt meistens in die Argumentation, dass es ihm egal ist, was mit seinen Daten passiert, weil er ja sowieso nichts zu Verstecken hat. Sollen die da oben nur mal machen!

Wie gerne würde ich mit meinen „normalen“ Freunden verschlüsselt kommunizieren. Und den ein oder anderen kann man sogar mit der Idee anfreunden. Nur, wenn man dann auf die Umsetzung zu sprechen kommt und ihnen erklären muss, dass das Verschlüsseln diverse Unannehmlichkeiten mit sich bringt, springen alle wieder ab. Was ich auch verstehen kann. Es ist vom gefühlten Kosten-/Nutzen-Faktor zu mühselig, seine Kommunikation zu verschlüsseln oder auf seine Daten besser aufzupassen. Und genau hier müsste man ansetzen und nicht mit so einer Linkbait-Aktion wie dem FakeDataDay.

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