Disclaimer vorweg: ich arbeite seit knapp einem Jahr bei in2code. Man kann mir also Befangenheit unterstellen. Muss man aber nicht.

Stefan Busemann hat am letzten Tag der TYPO3 Developer Days 2022 einen Talk gehalten, in dem er die Veränderungen und Verbesserungen der Workflows bei in2code vorgestellt hat. Ich für meinen Teil kann mich und meine Entwicklung darin in großen Teilen entdecken. Wer hat nicht noch im Jahr 2010 Websites über FTP und direkt auf dem Webserver ohne Versionsverwaltung gepflegt und entwickelt?

Auch wenn ich schon im Jahr 2000 den ersten Kontakt mit SVN als Versionsverwaltung (TortoiseSVN anyone?) hatte, hat es noch so bis 2011/12 gedauert, bis es nicht mehr ohne ging. Und auch dass etablierte Workflows immer nach ein paar Jahren evaluiert und entweder in die Tonne getreten oder verbessert wurden, gehört zu unserem Berufsfeld meiner Meinung nach einfach dazu. Ich kenne keinen Software-Entwickler, egal welche Sprache er "spricht", der nicht ständig neuem, heißen Scheiss hinterher jagt und schaut, ob er dieses und jenes nicht in seine Arbeit integrieren kann oder dies und das nicht seine Arbeit verbessert.

Aber zurück zu Stefans Talk, in dem viele Punkte besprochen werden, die in der bisherigen Firmenhistorie verbessert wurden und wichtig für die Firma waren, aber der wichtigste Punkt für mich als Angestellter ist mittlerweile Wertschätzung. Und zwar gegenseitige.

Diese spielt zwar in vielen Punkten, die Stefan anspricht, mit rein, ich finde aber, dass diese viel zu wenig nach Außen getragen wird, wenn es darum geht, eine Firma zu repräsentieren. Was früher der Kicker, Parties oder das neueste MacBook waren, mit dem Firmen hausieren gegangen sind, um neue Angestellte zu gewinnen, müsste in (Post-)Corona-Zeiten eigentlich das Thema Wertschätzung sein.

Ich glaube, dass in der Softwareentwicklungsbranche Remote-Arbeit nicht mehr wegzudenken ist und genauso wie ich es mir früher gar nicht vorstellen konnte, meine Arbeit nur remote auszuführen, mussten sich die Arbeitgeber in ganz schön schneller Zeit auf das "neue" Arbeitsmodell umstellen. Und das war glaube ich härter, da das Risiko ja auf ihrer Seite viel größer war. Damit meine ich zum Beispiel den "Kontrollverlust" über den Mitarbeiter.

Im Office kann man glaube ich viel besser sehen, wie es einem Mitarbeiter geht, ob er mit seiner Arbeit gut vorankommt usw. Das funktioniert meiner Meinung nach per remote nicht so gut. Und hier komme ich so langsam zum Thema Wertschätzung: es ist sehr wichtig, gemeinsam über die Arbeit zu sprechen. Egal, ob es positiv ist oder auch mal schlecht gelaufene Dinge auf den Tisch gelegt werden müssen, um Fehler zu lokalisieren und Workflows zu verbessern. Also genau das, was Stefan in seinem Talk anspricht.

Und da ist die Richtung auch egal. Ein Senior-Entwickler braucht von der Projekt-/Geschäftsleitung Feedback wie von einem Azubi. Oder ein Junior-Entwickler vom Senior-Entwickler. Oder andersherum. Weil es das gegenseitige "Befruchten" ist, was dazu führt, dass man über seine eigene Arbeit nachdenkt und durch die andere Sichtweise erst sieht, dass man sich vielleicht verrannt hat. Oder auch eine positive Seite hat, wenn man mal wieder den geilsten Scheiss ever entwickelt hat. Bis man sich den Code in zwei Jahren anschaut und einem ein "git blame" die Schamesröte ins Gesicht treibt.

Das hat mir eigentlich im letzten Slide von Stefan in seinen "Main learnings" gefehlt. Und wäre ich bei den DevDays gewesen, hätte ich das beim Q&A bestimmt angesprochen.

Werbeblock: wer meine Arbeit mal loben oder kritisieren möchte, soll mal hier schauen. Werbung Ende.

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