Twitter ist (so gut wie) tot

Die erste Änderung in der Twitter-API ist seit ein paar Tagen scheinbar aktiv, was bedeutet, dass Third-Party-Clients diese Woche noch periodisch Zugriff auf diverse APIs (Site Stream und User Stream) haben, die aber dann endgültig am 23.08. abgeschalten werden. Die DirectMessage-API darf noch bis zum 17.09.18 existieren und eine Woche vorher treten dann noch die neuen API-Restrictions und neuen Regeln für das Entwickeln von Apps in Kraft, die es den inoffiziellen Clients noch schwerer machen werden.

Zwar kann man angeblich den Support anbetteln, dass die eigene App die aktuell geltenden Limits zurückbekommt, aber das ist so schön formuliert, dass die Ausnahme nur für die aktuelle App gilt. Sollte also eine neue Version von Tweetbot herauskommen, werden nur noch die neuen Limits gelten. Und damit das Aus für Tweetbot & Co. bedeuten.

Ich habe keine richtige Ahnung, warum sich Twitter so verhält und die Wünsche ihrer User ignoriert. Ich denke mal, dass es um die Maximierung von Werbeeinahmen und bezahlten Tweets geht, die in den 3rd-Party-Clients nicht angezeigt werden. Twitter scheint sich sehr an Facebook zu orientieren, was die Umgestaltung seiner Streams angeht. Die anfangs noch chronologisch geführte Timeline wurde in der Webansicht und in der offiziellen Client-App durch Algorithmen und Werbeanzeigen kaputt gestaltet, dass diese eigentlich unbenutzbar sind.

Seit ein paar Tagen schaue ich mir Mastodon an, dass ein sehr ähnliches Konzept wie Twitter verfolgt, aber in erster Linie nur ein Stück Software ist, das jeder nutzen kann, um eine eigene Instanz zu erstellen. Die Mastodon-Instanzen können sich dann untereinander unterhalten, können aber auch geblockt werden, wenn sich eine Instanz zum Beispiel als Versender von Spam herausstellt.

Die Idee dahinter ist verlockend und durch die Twitter-Ankündigung sind die verfübaren Mastodon-Instanzen auch mit Accounterstellungen überrant worden. Trotzdem befinden sich zur Zeit einfach zu wenige Nutzer auf den Instanzen, so dass sich ein ähnliches Gefühl wie bei Diaspora breitmacht. Diaspora war damals mit einem ähnlichen Ansatz gegen Facebook angetreten, hat aber in den bestehenden knapp acht Jahren seiner Existenz noch nicht einmal die Millionen-Marke an Benutzern geknackt.

Kommentare

23.08.2018 | Stephan

Jeder kann ja seine eigene Instanz aufmachen, auf der er dann auch alleine sein kann. Die Instanzen sind ja dann untereinander vernetzt. Das Problem hierbei ist nur, dass es momentan noch sehr technisch anspruchsvoll ist und kaum einer in der Lage sein wird, diese Anforderungen zu erfüllen beziehungsweise sich dann auch noch im Betrieb um die Instanz zu kümmern.
So ist man dann wieder drauf angewiesen, der Instanz zu vertrauen, auf der man sein Konto eingerichtet hat. Aber da habe ich Hoffnung, dass jetzt auch durch den frischen Wind die Entwicklung von Mastodon voran schreitet.
Hubzilla, Mastodon, Diaspora... Hier ist der Grundgedanke ja immer der gleiche: Dezentralisierung und Open Source. Die verwendeten Protokolle unterscheiden sich, sowie die Features der gesamten Software. Aber begrüßenswert ist das alles schon.

23.08.2018 | Stefan

Müssen den soviele Tausend/Millionen an Nutzern auf einer Instanz sein, was auch dem Grundgedanken von Dezentralisierung wiederspricht!?

Hubzilla wäre noch eine Möglichkeit, obgleich dessen Ansatz ein etwas anderer ist. ;-)

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