Dem Titel frei nach Johann Gottfried Seume ("... böse Menschen haben keine Lieder.") werfe ich mal in den Raum, was mich schon seit jeher beschäftigt: warum haben manche Menschen eigentlich keinen Musikgeschmack?
Also so wirklich gar keinen? Damit meine ich die vielen Leute, die ich kenne, die die großen Radiosender hören und wenn man sie nach ihren Lieblingsliedern fragt, die Antwort bekommt: "Was halt so gerade läuft und aktuell ist." Mit der Frage nach Künstlern, die sie irgendwie beeinflusst haben, können sie rein gar nichts anfangen.

Und da spielt es für mich keine Rolle, ob sie wie ich eher der gitarrenlastigen Musik etwas abgewinnen können oder auf volkstümlichen Schlager stehen. Wenn sie mir wenigstens erklären könnten, warum sie Helene Fischer oder ähnliches toll finden oder was Songs von Justin Bieber so unglaublich macht. Und so Leute kenne ich einige. Gottseidank sind sie eine Minderheit, aber verstehen kann ich sie nicht. Das liegt vielleicht, nein, sogar bestimmt an mir.
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht bewusst Musik höre. Und das schon immer. Naja, jedenfalls seit ich so ungefähr 11/12 Jahre alt bin, vorher habe ich durch meine Eltern Musik mitgehört, mich aber nicht sonderlich damit identifiziert.

Damals fing es mit Toten Hosen, Ärzte, Bon Jovi, den Scorpions und so weiter an. Und ging mit zahlreichen anderen Bands und Musikrichtungen weiter. Und es hört nicht auf. In letzter Zeit sehe ich nur mit einem weinenden Auge, dass es für mich immer schwerer wird, neue Bands kennenzulernen. Früher stand ich nach der Schule stundenlang im CD-Laden meines Vertrauens, in dem man die CDs an Stationen vor dem Kauf anhören konnte. In Booklets widmeten die Künstler ganze Seiten ihren Vorbildern, Einflüssen und befreundeten Bands. Und auch Zeitschriften wie der Metal Hammer haben meinen Horizont an Musik erweitert. Aber vor allem waren es Freunde, die einem erzählten, dass sie sich die oder diese CD gekauft haben und das wäre der heißeste Scheiss seit dem das erste Mal jemand auf die Idee kam, bewusst Klänge zu produzieren.

Und heutzutage kauft man keine physikalischen Tonträger mehr. Weil es einem so einfach gemacht wird, iTunes oder was anderes anzuschmeissen, seine Kreditkarte zu hinterlegen und auf die ewig großen Musikkataloge der großen Majorlabels zuzugreifen. Seit neuestem werden Songs auch nur noch gestreamt, weil der Kauf des Albums noch zwei-drei Klicks mehr bedeuten würden. Booklets im PDF-Format gibt es auch nicht mehr, die Seiten in den jeweiligen Stores zu den Künstlern mit ihren Biographien wirken auch lieblos dahin geklatscht und vor allem Apple schafft es nicht, ihren "Ähnliche Künstler"-Bereich per Algorithmus mit mehr als sechs Künstlern anzureichern. Das sorgt dafür, dass man nach zwei Klicks auf ähnliche Bands fast die gleichen Listen präsentiert bekommt und dadurch kaum die Möglichkeit hat, neue und vor allem einem unbekannte Künstler kennenzulernen.

Am Anfang von Apple Music fand ich die Wiedergabelisten, die angeblich von einer Horde Musikjournalisten erstellt werden, super. Nach ein paar Wochen merkte ich aber, dass die Divergenz ("Er hat ein Fremdwort verwendet!") derselbigen ziemlich gering ist.

Was also nun? Musik wieder auf CD gepresst kaufen, gezwungen sein, sich wieder mit Encodieren zu beschäftigen? Wieder anfangen, Musikzeitschriften/-portale zu lesen? Seinen Freundeskreis austauschen, weil er sich auch künstlerisch nicht weiterentwickelt?

Ich muss so neun oder zehn Jahre alt gewesen sein, als ich im Urlaub aus meinem Bettchen gekrochen und zu meinen Eltern ins Wohnzimmer gegangen bin. Keine Ahnung warum, wahrscheinlich Durst oder die gängige Ausrede meiner Kinder, dass man einen Albtraum hatte oder einfach nicht schlafen kann ("Umdrehen! Augen zu!").

Dort lief ein Fernsehfilm, ziemlich schlecht gemacht über irgendeine Situation in Marokko oder so. Es ging um die schlechten Bedingungen in Afrika, spielte damals so zwanzig Jahre in der Zukunft. Ich habe keine Ahnung, um was es wirklich ging, weil ich nur ein paar Minuten mitbekommen habe. Aber eine Szene hat mich wirklich geschockt und sich bis heute in mein Hirn eingebrannt: mehrere Flüchtlinge sind irgendwie an einen Strand geschwommen und dort von stark bewaffneten Millitärs ruppig empfangen worden.

Damals konnte ich zwar verstehen, dass man aus Afrika flüchten möchte und an der Situation hat sich in der ganzen Zeit kein Stück verändert. Obwohl man das damals in der Schule auch schon thematisiert hat. So von wegen Hilfe zur Selbsthilfe und so. Aber ich habe es nicht verstanden, warum man hilfesuchenden Menschen mit vollautomatischen Waffen entgegentreten sollte.

Was aber noch viel schlimmer ist: die fiktive Situation von damals ist wirklich real geworden.

So beschissen 2015 geendet hat, kann 2016 einfach nur besser werden. Von daher habe ich zwar ganz kurz darüber nachgedacht, mir mal ausnahmsweise Vorsätze vorzunehmen, von denen ich weiß, dass ihre durchschnittliche Lebensdauer in etwa drei Tage beträgt, um den Gedanken gleich wieder fallenzulassen.

Trotzdem nehme ich mir vor, mehr hier auf dem Blog zu machen, mich darüber zu freuen, mit meiner Familie in unser eigenes kleines Haus zu ziehen (sofern es zu keinen weiteren Komplikationen und Verzögerungen kommt), mich mehr zu entspannen bzw. erstmal zu lernen, was das überhaupt ist und vor allem eins: mehr Gitarre spielen!
Denn was ich mal wieder lernen durfte, ist, dass wir alle mal klein angefangen haben. In dem Sinne: ein frohes Neues!

Meine PS Vita habe ich in letzter Zeit etwas vernachlässigt, da ich sowieso im Moment viel zu wenig Zeit zum Zocken habe. Dafür habe ich mir vorgenommen, jetzt jedes Spiel, dass ich anfange oder angefangen habe und das es schafft, mich zu fesseln, durchspielen werde. Egal, wie lange es dauert. Zur Zeit wären das Divinity Original Sin: Enhanced Edition auf der PS4 und seit Anfang der Woche The Wolf Among Us. Das man die Anfangsbuchstaben eines Titels durchgehend groß schreibt, kenne ich eigentlich nur aus den Anfängen von Napster und habe es damals auf die Unfähigkeit der Menschheit eine andere Sprache zu beherrschen geschoben. Bei The Wolf Among Us schreibt aber selbst der Entwickler/Publisher Telltale Games es so. Naja, egal...

The Wolf Among Us ist ein Adventure mit einer recht einfachen Spielmechanik, die aber durch einen kleinen Kniff zu fesseln weiß. Angeblich haben diverse Entscheidungen im Spiel Einfluß auf den weiteren Verlauf des selbigen. Ansonsten besucht man wie in jedem anderen Adventure auch Orte, redet mit Personen und füllt sein Inventar mit diversen Dingen, die einem vielleicht der Lösung des Spiels näher bringen. Die Grundgeschichte und das Setting basieren auf der Comic-Vorlage Fables. Das Ganze wurde dann auch im Comic-Stil liebevoll animiert (okay, auf der Vita ruckelt es an der ein oder anderen Stelle, was ich aber nicht sonderlich schlimm finde) und mit einer wundervollen Soundkulisse und Musik untermalt.

Ich bin zwar erst im letzten Abschnitt der ersten von fünf Episoden, aber durch den Kniff mit den Entscheidungen habe ich das Gefühl dann doch mehr zu spielen und nicht nur dämlich an jedem Ort jeden möglichen Hotspot zu untersuchen, zu interagieren und darauf hin den nächsten Ort zu besuchen. Ansonsten ist die eigentliche Spielmechanik aber leider nur das Durchklicken von Quicktime-Events. Was aber zur Unterhaltung und zum entspannenden Spiel am Abend gar nicht schlecht ist.

Letztes Jahr entdeckt und neben einem 18jährigen The Glenlivet mein neuer Lieblingswhisky: Glen Deveron aus der Brennerei Macduff.

Mein erster epileptischer Anfall ist jetzt knapp drei Wochen her und seitdem bestimmt mal wieder eine neue Krankheit mein Leben. Gut, nicht sonderlich tragisch. Kenne ich eigentlich schon mein gesamtes Leben. Haben mich in meiner Kindheit und Jugend Allergien und Asthma in meinen Möglichkeiten beschränkt und vor einigen Jahren ein ziemlich bösartiger Hodenkrebs mit Metastase und schlechter Heilungsprognose, ist nun mit dem Verdacht auf Epilepsie die nächste Krankheit angerollt, die mir mein Leben schwer machen möchte.

Okay, es war mein erster und die Hoffnung ist noch da, dass ich zu dem Teil der Menschheit gehöre, der nur diesen einen Anfall hat und dann nie wieder einen. Aber sagen kann einem das natürlich keiner. Und das ist für mich jetzt das beschissene (sorry) daran. Da ich auch einen recht langen Anfall mit Bewusstlosigkeit hatte, mir dabei schön auf die Zunge gebissen habe und von dem ganzen Anfall überhaupt nichts mehr weiss, schränkt mich das ganz gut ein. Mir fehlen sogar ein paar Minuten vor dem Anfall und Anzeichen, dass es mir nicht so gut ging an dem Tag, gab es auch keine.

Von daher kann ich mich selber auf die Möglichkeit eines erneuten Anfalls gar nicht vorbereiten. Mein Umfeld ist soweit vorgewarnt, wie sie sich zu verhalten haben, falls ich mal wieder umfallen sollte. Aber mir selber fällt es noch schwer, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass jederzeit ein Anfall durch irgendwas ausgelöst werden kann.

Schlimm ist auch, dass ich zur Zeit erstmal kein Autofahren darf. Verstehe ich ja auch und ich mach mir selber jetzt schon Gedanken, wie es ist, wieder mit dem Auto unterwegs zu sein. Mit dem Gedanken im Nacken, dass gleich ein Anfall kommen könnte und ich es nicht merke. Mit Kindern hinten drin. Mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn.

Eigentlich ist es unverantwortlich je wieder ein Auto zu steuern. Danke Körper.

Ich habe mir heute Nacht vorgenommen, um 4 Uhr aufzustehen. Zu hoffen, dass das Wetter so klar bleibt, wie es jetzt ist und der Mond noch nicht so weit unten steht, dass ich einen Blick auf ihn werfen kann. Nur weil es auf ihm heute Nacht ein bisschen schattiger als sonst ist...

Vor knapp einem Vierteljahrhundert musste ich fast jeden Sonntag in die Kirche gehen, um brav aufzuschreiben, welche Lieder gesungen wurden und eine Kurzzusammenfassung der Predigt schreiben. Alles, nur um am Tag der Konfirmation genug Geld für eine anständige Stereoanlage zusammen zu bekommen.

In meiner Konfirmandengruppe hatte mein alter Schulfreund Manuel damals als einziger einen Amiga 500. Ich konnte meinen Eltern nur einen C64 abschwatzen, auf denen natürlich allerlei Klassiker gezockt wurden und sogar das ein oder andere Listing abgetippt wurde. Zusätzlich hatte ich noch Zugriff auf die PCs im Büro meines Vaters. Aber auf dem Amiga gab es ein Spiel, das mich komplett in den Bann zog: Lemmings.

Alter Schwede: nicht nur die Steuerung mit der Maus, die Musik, die Grafik, vor allem die Spielmechanik war Schuld daran, dass wir stundenlang vor dem Monitor saßen, um irgendwie dieses verflixte Level zu lösen. Oder einfach nur mal aus Frust hundert Lemmings per Atombombenexplosion gleichzeitig in die Luft zu sprengen. Neben Monkey Island und Wing Commander (auf dem EGA-PC) gab es, glaube ich, zu der Zeit kein anderes Spiel, das mich dermaßen fesselte.

Vor kurzem habe ich mir die Version für die PlayStation Vita installiert, das auch die Original-Level beinhaltet. Es bedarf zwar ein paar Level Zeit, um sich an die anders geartete Steuerung zu gewöhnen (gesteuert wird mit dem digitalen Fadenkreuz und den Analogsticks) und ich weiß jetzt schon, dass die schwierigeren Level damit wahrscheinlich nicht zu lösen sind. Aber selbst die ersten 45 Level haben jetzt schon genauso viel Spaß gemacht wie damals. Mit dreizehn.

Wenn es einen Preis gibt, der das Anziehen von Pech und beschissenen Krankheiten auszeichnet, dann sollte ich den schleunigst verliehen bekommen. Da verläuft das Leben endlich wieder in halbwegs geraden Bahnen und ich habe mich mit den Folgen der Krebserkrankung und -therapie angefreundet. Habe mich auf der einen Seite auf das Ende der Staging-Zeit nach der Chemotherapie (man wird noch fünf Jahre lang überwacht) gefreut. Auf der anderen Seite ist damit aber auch verbunden, dass man entweder selber in die Tasche greift und wenigstens einmal im Jahr sein Blut auf die Tumormarker checken lässt oder damit Leben kann, diese Art der Kontrolle auch abzugeben.

Und dann, wie aus dem Nichts geschossen: ein fetter epileptischer Anfall. Zum Glück war ich gerade an der Arbeit und meine Mitarbeiter und Chefs haben vorbildlich reagiert, obwohl sie sowas auch noch nie erleben mussten. Ich kann mich an gar nichts mehr erinnern, wie ich scheinbar noch versucht habe, um Hilfe zu schreien und mich dann selber auf den Boden habe gleiten lassen, auf dem ich dann krampfend lag. Ich kann mich erst wieder erinnern, als der Notarzt da war und selbst dann habe ich noch Erinnerungslücken.

Im Krankenhaus gab es dann (wahrscheinlich auch aufgrund meiner Vorgeschichte) das ganze Programm von EEG, CT und am nächsten Tag noch MRT, die alle zum Glück keine Schädigungen im Gehirn feststellen ließen. Keine beschissenen Tumore, die eventuell auf Teile meines Gehirns gedrückt und den Anfall ausgelöst haben. Das ist unglaublich viel Wert, da meine Prognose nach der Chemotherapie damals nicht die Beste war, wenn man nach den Statistiken geht.

Aber jetzt muss ich mich mit dem nächsten beschissenen Krankheitsbild rumschlagen. Ich habe keine Ahnung, ob das jetzt ein einmaliger Anfall gewesen ist, den scheinbar ziemlich viele Menschen in ihrem Leben haben oder ob da irgendwann noch einmal wieder so ein Tag kommt, an dem ich einfach ohne Vorzeichen umfalle.
Für eine bestimmte Zeit ist mir abgeraten worden sehr vaiele Dinge alleine zu machen beziehungsweise ganz auf sie zu verzichten: Auto fahren darf ich sowieso erstmal nicht, Sport sollte ich auch erstmal zurückstellen (okay, damit habe ich weniger ein Problem, der Herbst steht sowieso vor der Tür) und eigentlich alle Dinge, bei denen ich einen längere Zeit "unbeaufsichtigt" bin.

Ich könnte kotzen.

Ich bin ja künstlerisch nicht sonderlich bewandert. Mit Gemälden kann ich nicht viel anfangen und frage mich jedes Mal, warum man soviel Geld für ein bemaltes Stück Leinwand ausgeben sollte. Filme schaue ich mir gerne an, bin aber von einem Cineasten soweit entfernt, wie ein Murmeltier vom Moshpit eines "Heavy Metal"-Konzerts. Seit meiner Kindheit begleiten mich aber zwei Dinge: Computerspiele und Musik.

Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist, wenn jemand keine Vorlieben in Sachen Musik hat. Wenn jemand auf die Frage "Was hörst du denn so?" lapidar antwortet "So dies und das. Meistens Radio.". Damit komme ich gar nicht klar und kann mir das auch nicht vorstellen. Wie man so ohne sein Leben begleitende Musik meistern kann. Seitdem ich neun oder zehn Jahre alt bin höre ich Musik. Aktiv. Nicht, dass ich jetzt ein wandelndes Lexikon bin und mit Fachwissen glänzen kann. Von vielen Bands, die ich höre, kann ich noch nicht mal die vollen Namen der Bandmitglieder aufsagen, noch weiß ich, wie, wann und unter welchen Umständen welches Album das Licht der Welt erblickt hat. Aber mit jeder Band verbinde ich einen Teil meines Lebens.

Warum ich das hier überhaupt schreibe? Weil ich seit Jahren vorhabe, so eine Art Historie meines Lebens in Form der Musik, die ich damals gehört habe, aufzuschreiben. So wie John Cusack im Film High Fidelity. Auch so ein Film, den man gesehen haben muss. Nicht in der Form, dass man seine Top Ten findet. Das könnte ich nämlich gar nicht. Das habe ich schon versucht und immer, wenn ich dachte, dass es genau das Stück ist, habe ich nachgedacht und <em>bääm</em> kam mir ein anderes Lied in das Gedächtnis geschossen, das mit mehr Emotionen verbunden ist.
Ich dachte da wirklich an eine Historie in der Art 1987, so in der dritten Klasse müsste das gewesen sein, habe ich das gehört, 1988 dann das und wo weiter. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass das Wiederentdecken von Musik ziemlich langwierig werden kann. Da hört man ein Lied, schiebt das in die entsprechende Liste und hört sich dann die ganze Platte von vorne bis hinten durch. Dann noch die anderen Alben der Band und schwups ist der Abend um. Und man ist genau zwei Lieder weiter in seinem Vorhaben gekommen. Bei fast dreißig Jahren Musikhören wird das also noch lange dauern.

Fange ich also mal an.