Ich habe mir heute Nacht vorgenommen, um 4 Uhr aufzustehen. Zu hoffen, dass das Wetter so klar bleibt, wie es jetzt ist und der Mond noch nicht so weit unten steht, dass ich einen Blick auf ihn werfen kann. Nur weil es auf ihm heute Nacht ein bisschen schattiger als sonst ist...

Vor knapp einem Vierteljahrhundert musste ich fast jeden Sonntag in die Kirche gehen, um brav aufzuschreiben, welche Lieder gesungen wurden und eine Kurzzusammenfassung der Predigt schreiben. Alles, nur um am Tag der Konfirmation genug Geld für eine anständige Stereoanlage zusammen zu bekommen.

In meiner Konfirmandengruppe hatte mein alter Schulfreund Manuel damals als einziger einen Amiga 500. Ich konnte meinen Eltern nur einen C64 abschwatzen, auf denen natürlich allerlei Klassiker gezockt wurden und sogar das ein oder andere Listing abgetippt wurde. Zusätzlich hatte ich noch Zugriff auf die PCs im Büro meines Vaters. Aber auf dem Amiga gab es ein Spiel, das mich komplett in den Bann zog: Lemmings.

Alter Schwede: nicht nur die Steuerung mit der Maus, die Musik, die Grafik, vor allem die Spielmechanik war Schuld daran, dass wir stundenlang vor dem Monitor saßen, um irgendwie dieses verflixte Level zu lösen. Oder einfach nur mal aus Frust hundert Lemmings per Atombombenexplosion gleichzeitig in die Luft zu sprengen. Neben Monkey Island und Wing Commander (auf dem EGA-PC) gab es, glaube ich, zu der Zeit kein anderes Spiel, das mich dermaßen fesselte.

Vor kurzem habe ich mir die Version für die PlayStation Vita installiert, das auch die Original-Level beinhaltet. Es bedarf zwar ein paar Level Zeit, um sich an die anders geartete Steuerung zu gewöhnen (gesteuert wird mit dem digitalen Fadenkreuz und den Analogsticks) und ich weiß jetzt schon, dass die schwierigeren Level damit wahrscheinlich nicht zu lösen sind. Aber selbst die ersten 45 Level haben jetzt schon genauso viel Spaß gemacht wie damals. Mit dreizehn.

Wenn es einen Preis gibt, der das Anziehen von Pech und beschissenen Krankheiten auszeichnet, dann sollte ich den schleunigst verliehen bekommen. Da verläuft das Leben endlich wieder in halbwegs geraden Bahnen und ich habe mich mit den Folgen der Krebserkrankung und -therapie angefreundet. Habe mich auf der einen Seite auf das Ende der Staging-Zeit nach der Chemotherapie (man wird noch fünf Jahre lang überwacht) gefreut. Auf der anderen Seite ist damit aber auch verbunden, dass man entweder selber in die Tasche greift und wenigstens einmal im Jahr sein Blut auf die Tumormarker checken lässt oder damit Leben kann, diese Art der Kontrolle auch abzugeben.

Und dann, wie aus dem Nichts geschossen: ein fetter epileptischer Anfall. Zum Glück war ich gerade an der Arbeit und meine Mitarbeiter und Chefs haben vorbildlich reagiert, obwohl sie sowas auch noch nie erleben mussten. Ich kann mich an gar nichts mehr erinnern, wie ich scheinbar noch versucht habe, um Hilfe zu schreien und mich dann selber auf den Boden habe gleiten lassen, auf dem ich dann krampfend lag. Ich kann mich erst wieder erinnern, als der Notarzt da war und selbst dann habe ich noch Erinnerungslücken.

Im Krankenhaus gab es dann (wahrscheinlich auch aufgrund meiner Vorgeschichte) das ganze Programm von EEG, CT und am nächsten Tag noch MRT, die alle zum Glück keine Schädigungen im Gehirn feststellen ließen. Keine beschissenen Tumore, die eventuell auf Teile meines Gehirns gedrückt und den Anfall ausgelöst haben. Das ist unglaublich viel Wert, da meine Prognose nach der Chemotherapie damals nicht die Beste war, wenn man nach den Statistiken geht.

Aber jetzt muss ich mich mit dem nächsten beschissenen Krankheitsbild rumschlagen. Ich habe keine Ahnung, ob das jetzt ein einmaliger Anfall gewesen ist, den scheinbar ziemlich viele Menschen in ihrem Leben haben oder ob da irgendwann noch einmal wieder so ein Tag kommt, an dem ich einfach ohne Vorzeichen umfalle.
Für eine bestimmte Zeit ist mir abgeraten worden sehr vaiele Dinge alleine zu machen beziehungsweise ganz auf sie zu verzichten: Auto fahren darf ich sowieso erstmal nicht, Sport sollte ich auch erstmal zurückstellen (okay, damit habe ich weniger ein Problem, der Herbst steht sowieso vor der Tür) und eigentlich alle Dinge, bei denen ich einen längere Zeit "unbeaufsichtigt" bin.

Ich könnte kotzen.

Ich bin ja künstlerisch nicht sonderlich bewandert. Mit Gemälden kann ich nicht viel anfangen und frage mich jedes Mal, warum man soviel Geld für ein bemaltes Stück Leinwand ausgeben sollte. Filme schaue ich mir gerne an, bin aber von einem Cineasten soweit entfernt, wie ein Murmeltier vom Moshpit eines "Heavy Metal"-Konzerts. Seit meiner Kindheit begleiten mich aber zwei Dinge: Computerspiele und Musik.

Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist, wenn jemand keine Vorlieben in Sachen Musik hat. Wenn jemand auf die Frage "Was hörst du denn so?" lapidar antwortet "So dies und das. Meistens Radio.". Damit komme ich gar nicht klar und kann mir das auch nicht vorstellen. Wie man so ohne sein Leben begleitende Musik meistern kann. Seitdem ich neun oder zehn Jahre alt bin höre ich Musik. Aktiv. Nicht, dass ich jetzt ein wandelndes Lexikon bin und mit Fachwissen glänzen kann. Von vielen Bands, die ich höre, kann ich noch nicht mal die vollen Namen der Bandmitglieder aufsagen, noch weiß ich, wie, wann und unter welchen Umständen welches Album das Licht der Welt erblickt hat. Aber mit jeder Band verbinde ich einen Teil meines Lebens.

Warum ich das hier überhaupt schreibe? Weil ich seit Jahren vorhabe, so eine Art Historie meines Lebens in Form der Musik, die ich damals gehört habe, aufzuschreiben. So wie John Cusack im Film High Fidelity. Auch so ein Film, den man gesehen haben muss. Nicht in der Form, dass man seine Top Ten findet. Das könnte ich nämlich gar nicht. Das habe ich schon versucht und immer, wenn ich dachte, dass es genau das Stück ist, habe ich nachgedacht und <em>bääm</em> kam mir ein anderes Lied in das Gedächtnis geschossen, das mit mehr Emotionen verbunden ist.
Ich dachte da wirklich an eine Historie in der Art 1987, so in der dritten Klasse müsste das gewesen sein, habe ich das gehört, 1988 dann das und wo weiter. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass das Wiederentdecken von Musik ziemlich langwierig werden kann. Da hört man ein Lied, schiebt das in die entsprechende Liste und hört sich dann die ganze Platte von vorne bis hinten durch. Dann noch die anderen Alben der Band und schwups ist der Abend um. Und man ist genau zwei Lieder weiter in seinem Vorhaben gekommen. Bei fast dreißig Jahren Musikhören wird das also noch lange dauern.

Fange ich also mal an.

Gerade eben hat der Twitter-Account von netzpolitik den Tweet des AkkuratenWiderstands retweetet, der auf eine Aktion namens FakeDataDay hinweist. Diese Aktion soll dienen, "falsche" Spuren im Netz zu legen. Man soll fehlerhafte Informationen in seinen sozialen Netzwerken posten, um die Auswertungsalgorithmen durcheinanderzubringen und sich dadurch "unschärfer" machen.
Natürlich am Besten mit einem vom Initiator gewählten Hashtag und am Liebsten noch mit einem Link zur Aktion.

Vielleicht mag die Intention wirklich sein, die unbedarfte und noch nicht aufgeklärte Masse aufzuwecken und der Problematik des Umgangs mit den eigenen Daten und dem Thema Datensparsamkeit näher zu bringen. Nur erschliesst sich mir das Ganze einfach nicht und ich halte die ganze Aktion für Linkbait bzw. Erhaschen von Aufmerksamkeit. Wenn ich selber die Intention habe, andere Leute über eine Problematik (und die streite ich gar nicht ab) aufzuklären, dann sollte ich doch nicht die gleichen Systematiken benutzen, die ich anprangere, oder sehe ich das falsch? Angefangen von der Umsetzung des Blogs (Wordpress, Akismet, Einbindung von Google-Webfonts, Mailchimp als Newslettersystem) bis hin zu dem recht komischen Daten-Ausspäh-Beispiels der Mitinitiatorin, in dem sie die Befürchtung hat, dass die Mitbewerber ihre Unternehmenskommunikation ausspähen könnte, kann ich die Idee hinter der Aktion zwar nachvollziehen, die Umsetzung halte ich aber für hundsmiserabel.

Ich finde es auch bedenklich, was man mit persönlichen Daten anstellen kann. Und ich finde auch, dass der 0815-Benutzer des Internets eine gehörige Portion Aufklärung nötig hat, um nur in Ansätzen zu verstehen, dass sein Verhalten Folgen haben kann. Aber auf der anderen Seite kann ich auch verstehen, dass der normale Benutzer von sozialen Netzwerken gar keine Lust hat, sich damit zu beschäftigen. Er sieht nur den Nutzen, den er aus der Funktionalität ziehen kann und verfällt meistens in die Argumentation, dass es ihm egal ist, was mit seinen Daten passiert, weil er ja sowieso nichts zu Verstecken hat. Sollen die da oben nur mal machen!

Wie gerne würde ich mit meinen "normalen" Freunden verschlüsselt kommunizieren. Und den ein oder anderen kann man sogar mit der Idee anfreunden. Nur, wenn man dann auf die Umsetzung zu sprechen kommt und ihnen erklären muss, dass das Verschlüsseln diverse Unannehmlichkeiten mit sich bringt, springen alle wieder ab. Was ich auch verstehen kann. Es ist vom gefühlten Kosten-/Nutzen-Faktor zu mühselig, seine Kommunikation zu verschlüsseln oder auf seine Daten besser aufzupassen. Und genau hier müsste man ansetzen und nicht mit so einer Linkbait-Aktion wie dem FakeDataDay.

In letzter Zeit sind neben Bloodborne und dem dritten Teil der Witcher-Reihe recht umfangreiche (Action-)Rollenspiele erschienen, die ich gerne spielen würde. Wenn ich Zeit hätte. Seit gestern reiht sich in diese Liste auch noch Fallout 4 ein, das auf der Bethesda-Pressekonferenz der E3 ausgiebig vorgestellt wurde.

Auf geekologie.com sind die ersten Gameplay-Videos verlinkt, die Lust nach mehr machen. Auch wenn ich leise Befürchtungen habe, dass Bethesda sich vielleicht doch zu viele Anleihen anderer erfolgreicher Spielegenres holt und eventuell ähnliche Fehler wie Ubisoft macht. Was könnte ich mich über so langweilige Spiele wie Watch Dogs oder Far Cry 4 mit ihren übervollen Karten, gespickt mit total überflüssigen, repetitiven Aufgaben, die nach dem dritten Mal schon keinen Spaß machen, aufregen.
Egal, Bethesda war bis jetzt eigentlich in der Lage, spannende Geschichten im Fallout-Universum zu erzählen und ich habe Hoffnung, dass ich vielleicht doch ab Mitte November Zeit finde, um mich in die unendlichen öden Weiten einer postatomaren Apokalypse zu stürzen.

Heute ist dann auch Fallout Shelter im AppStore erschienen, das ein Haltestellen-kompatibles "Aufbau"-Spiel ist, in dem man sich seinen eigenen Vault nach und nach aufbaut. Mehr als einen FreeToPlay-Cookie-Clicker mit einem ebenso großen Suchtpotential sollte man aber nicht erwarten. Eine großartige Geschichte wird nicht erzählt, die F2P-Komponente war aber bis jetzt überhaupt nicht aufdringlich und fast schon versteckt. Für die Straßenbahnfahrt okay, wird aber bestimmt nach ein paar Tagen langweilig.

Gestern Abend war die beste Band der Welt in Berlin: Faith no more.
Eins muss man Berlin ja als eine der hässlichsten Städte Deutschlands lassen: sie haben ziemlich nette Locations für Konzerte im Freien. Schon mehrfach war ich in der Wulheide und habe dort neben Faith no more auch schon die Red Hot Chili Peppers genossen, sowie in der Waldbühne letztes Jahr Kings of Leon. Und gestern in der Zitadelle Spandau halt wieder Faith no more und ich befürchte, dass es das letzte Mal gewesen ist, die wirklich beste Band der Welt live zu erleben. Die Jungs neben Mike Patton werden auch nicht jünger und für das letzte Album haben sie sich ganze achtzehn Jahre Zeit gelassen.

Das Konzert war der Hammer und leider viel zu schnell vorbei.

Gestern Abend war ich dann mal kurz im Feld.

Ich habe schon etliche Rollenspiele auf dem Rechner gezockt. Angefangen bei Pool of Radiance damals auf einem 286er, die ersten Umsetzungen des Schwarzen Auges, etliche Episoden der Ultima-Reihe, bis hin zur Neuzeit mit Fallout 3 und Skyrim. Nur japanischen Rollenspielen konnte ich bis jetzt nichts abgewinnen. Okay, Zelda auf der Wii, aber das zähle ich jetzt nicht unbedingt zu einem Rollenspiel, sondern eher zu den Action-Adventures.

Letztes Jahr habe ich mir dann verbilligt Final Fantasy X HD in der Remastered-Version für die PlayStation Vita geholt, kurz angespielt, aber dann wieder weggelegt, weil ich der Meinung war, das ich mir dafür eine Menge Zeit nehmen muss, die ich zu der Zeit nicht übrig hatte. Vor ein paar Wochen ist mir die Cartridge aber wieder in die Hände gefallen und wie es der Zufall so wollte, wurde ich krank.

Hah, wie damals, krank sein und Computerspiele spielen! Aber eine fette Grippe steckt man im hohen Alter nicht mehr so weg, wie mit zwölf Jahren. So jung kann man auch noch mit 39 Grad Fieber ohne Einbußen spielen. Als alter Sack aber nicht. Mir blieb nichts anderes übrig als zu warten, bis mein Geist wieder halbwegs fit war. Nach den ersten Minuten des Spielens begann ich mich aber immer mehr zu fragen, ob es mir wirklich wieder gut ging. Dämliche Dialoge, die man eigentlich gar nichts so nennen darf, weil sein Alter Ego im Spiel (Tidus) den Eindruck erweckt, geistig nicht auf der vollen Höhe zu sein. Antworten im Stil von "Häh?" oder "Aha." sind am Anfang an der Tagesordnung und rissen mich nicht gerade tiefer in die Geschichte rein. Eher im Gegenteil.

Da fehlt doch was!

Minuten und Stunden später störten nicht nur die belanglosen und die Geschichte nicht erklärenden Dialoge, sondern auch die Fehler in der eigentlichen Story. Da soll man eine spätere Protagonistin (Yuna), Tochter eines hohen Mediums, der sein Leben im Kampf gegen das Böse (Sin) verlor, in einem Tempel zur Rettung eilen und nach drei Räumen und zwei Kurven kommt man in eine Halle, in der ihre Leibgarde steht. Es öffnet sich die Tür zum nächsten Raum und Yuna kommt raus und zu keinem Zeitpunkt spürt man die angebliche Gefahr, die hier angeblich wabern soll.

Und so geht es die nächsten Stunden, die ich noch ausgehalten habe, so weiter. Ich gebe es zu: ich habe es nicht allzu lange ausgehalten. Für Eingeweihte: ich habe es nur bis zum Ende des ersten Blitzball-Spiels geschafft (habe dafür sechs Stunden Spielzeit benötigt). Und ich habe mir immer gesagt: gleich packt dich die Geschichte! Gleich wird das Spielprinzip besser! Umfangreicher! Man läuft nämlich durch eine zugegeben schöne 3D-Welt. Leider immer durch einen schönen Tunnel, in dem man zwar ab und zu Abzweigungen hat, man sich aber grundsätzlich nicht verlaufen kann. Schnarch...

Elf Jahre vorher

Jahre zuvor erschien auf dem NES Final Fantasy III, das es auch in einer Remake-Version für die Vita gibt. Das hatte ich mir mal vor längerer Zeit für vier oder fünf Euro gekauft. Und auch wiedergefunden. Und ich liebe es mittlerweile! Ich habe keine Ahnung, was bei Square Enix (damals nur Square) in den Jahren zwischen den Teilen schief gelaufen ist, weil ich nur diese beiden Teile kenne, aber damals schien man noch das Erzählen von Geschichten beherrscht zu haben. Klar, wie bei jedem Fantasy-Rollenspiel geht es um den ewigen Kampf Gut gegen Böse und auch in FFIII rennt man nur von einem Ort zum anderen, um dort jenes magische Schwert und dort jene Prinzessin zu retten. Und auch die Semantik der Erzählung ist eher flach und dem System geschuldet, wie die Textausgabe damals funktioniert hat. Trotzdem bin ich gewillt, der Geschichte weiter zu folgen und muss mir nicht dauernd einreden, dass es doch irgendwann besser wird. Weil es schon gut ist. Sogar sehr gut. So. Und jetzt muss ich Luneth und seine Kumpels noch ein wenig steigern, damit ich endlich die blöde Medusa im Turm des Owen knacken kann.

Ende der Neunziger waren Echtzeit-Strategiespiele wie Command &amp; Conquer und der Beginn der Egoshooter der heisseste Scheiss bei Computerspielen, nachdem mit Rollenspielen keiner mehr hinter dem Ofen hervorgelockt werden konnte. Letztere wurden dann Mitte der 2000er in den Massively Multiplayer Online Role-Playing Games (MMORPGs) versucht, zum Leben zu erwecken, was ja mit World of Warcraft auch mehr als funktioniert hat. Und jetzt sind seit ein paar Jahren sogenannte Open-World-Spiele das absolute NonPlusUltra, wenn es um Spielwelten geht.

Zwei Spiele, die ich mir unter anderem letztes Jahr gekauft habe, versuchen den Open-World-Ansatz in sich zu integrieren: "Watch Dogs" und "The Crew". Beide Spiele wurden von Ubisoft vertrieben, aber von unterschiedlichen Firmen entwickelt. Wer die Spiele nicht kennt: in "Watch Dogs" schlüpft man in die Rolle eines Hackers, der den Mord an seiner Nichte rächen will. Im Spiel hat man über sein Smartphone Zugriff auf das Computernetzwerk, das die ganze Stadt umspannt und kann mit dessen Hilfe einige Dinge manipulieren (Ampelphasen umschalten, Kamerabilder abgreifen, Computer steuern usw.). In "The Crew" will der Protagonist seinen älteren Bruder rächen, der von einer Rocker-Gang vor seinen Augen  ermordet wurde. Hier stehen einem die gesamten USA zur Verfügung, die man in Autos bereisen kann.

Beide Spiele ähneln sich von der Spielweise sehr stark: man fährt auf der Karte herum und kann entweder die Hauptstory verfolgen oder unzählige Nebenquests annehmen, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Und in beiden Spielen gibt es gefühlt für zwanzig Hauptquests zweihundert Nebenquests bzw. Aufgaben in "The Crew". Beide Spiele haben mich nach ein paar Stunden unendlich gelangweilt. Es hat sich angefühlt, als ob Ubisoft Techdemos erstellt haben, um den relativ neuen Ansatz zu testen, in einem Spiel bei Bedarf eine Multiplayer-Komponente dazu zu schalten. Bei "Watch Dogs" kann man von anderen Mitspielern gehackt werden bzw. auch andersherum andere Mitspieler hacken. Bei "The Crew" kann man Aufgaben mit Hilfe seiner Crew oder auch anderen Mitspielern, die sich in der gleichen Session befinden, bestreiten, um eine höhere Punktzahl zu erreichen. Diesen Ansatz finde ich klasse und in Zukunft werden da bestimmt auch eine Menge Spiele folgen, die diese Mechanik integrieren. Aber beide Spiele sind nur eine Sammlung von vielen Minispielen, die um eine Hintergrundgeschichte gezimmert wurden, die mich nicht mitreisst. Zu keiner Zeit.

Open-World-Spiele stecken gerade meiner Meinung nach in der Bredouille, dass sie gar nicht Open-World sind, sondern nur so tun. Die Reise zu den Aufgaben in "The Crew" ist zwar toll anzusehen. Im Auto reist man durch eine gefühlt stimmig nachgebaute Miniaturversion der USA (keine Ahnung, ich war leider noch nicht über dem Teich), wobei das Gefühl zerstört wird, wenn man sich den computergenerierten Autoverkehr ansieht. Die Autos fahren immer (!) versetzt, so dass es gar kein Problem darstellt, selbst mit 300 Km/h durch den Verkehr zu flutschen. Kreuzungen sind nie verstopft, so dass man ohne Angst vor Kollisionen zu haben, mit angezogener Handbremse abbiegen kann. Laaaaangweilig.
Ich verstehe auch nicht das Problem bei Spielen, deren Hauptmechanik darin besteht, mit einem Auto herumzufahren und Polizei-Verfolgungsjagden als Quests beinhalten, das Nicht-Einhalten der Straßenverkehrsordnung zu ahnden. Ich kann ohne Probleme mit 300 Sachen über eine rote Ampel fahren, an der gerade ein Polizei-Auto angehalten hat. Noch laaaaangweiliger.

Grand Theft Auto V habe ich aber sehr gerne gespielt und werde mir das HD-Remake für die PlayStation 4 wieder zulegen, wenn es unter 30 Euro kosten wird. Auch hier gibt es eine Menge Minispiele um die Hauptstory drumherum. Diese muss man aber zum Unterschied zu den Ubisoft-Spielen aber nicht bestreiten, um in der Geschichte weiterzukommen. Und ich glaube, hier liegt der Unterschied: Ubisoft kann keine Geschichten erzählen.